MediClin folgen

"Als würde man eine Fremdsprache lernen"

Pressemitteilung   •   Mai 15, 2007 17:40 CEST

St. Wendel, im Mai 2007. Jeden Monat wird in Deutschland ca. 1.000 Menschen operativ ein so genanntes Cochlear Implantat (CI) eingesetzt – mit steigender Tendenz. Hierbei handelt es sich um eine elektrisch betriebene Innenohr-Prothese, die die Funktion des vollständig ausgefallenen Innenohrs, der häufigsten Form der Ertaubung, übernimmt. Nach der OP und der ersten Anpassung des Sprachprozessors im Krankenhaus beginnt für den Patienten die eigentliche Arbeit: das Lernen eines neuen Hör- und Sprachverstehens. "Das ist eine Anstrengung, die vergleichbar ist mit dem Erlernen einer Fremdsprache", betont Dr. Harald Seidler, Chefarzt der HNO-Fachklinik in den MediClin Bosenberg Kliniken. "Durch Behandlungsmaßnahmen wie intensives Hörtraining und Optimierung der Einstellung des Sprachprozessors gelingt es uns innerhalb von sechs Wochen, das Sprachverstehen unserer Patienten von unter 30 Prozent auf im Schnitt 70 Prozent zu steigern." Die MediClin Bosenberg Kliniken sind bei der Behandlung erwachsener DRV Bund-Patienten nach einer CI-Operation die führende Reha-Einrichtung in Deutschland.
Unmittelbar nach Einsetzen des CIs im Krankenhaus können Klänge und Geräusche nur undeutlich und undifferenziert wahrgenommen werden. "Mit dem neu eingesetzten CI kann man zwar Signale hören und auch unterscheiden, ob diese hoch oder tief bzw. laut oder leise sind. Man kann in diesem Stadium aber noch nicht differenzieren, ob es sich um einen Wecker, eine Klingel oder ein Flugzeug handelt", so Dr. Seidler. In einem Lernprozess muss sich das Hörzentrum im Gehirn erst an ein neues Hören gewöhnen. Das Besondere an der Therapie in den MediClin Bosenberg Kliniken ist dabei der simultane Einsatz von technischen Hilfsmitteln und Therapiemaßnahmen

Simultaner Einsatz von Technik und Therapie
Techniker und Therapeuten arbeiten in der Klinik Tür an Tür. Stellt der Logopäde und Audiotherapeut während des Hörtrainings fest, dass ein Patient beispielsweise das "B" und "P" nicht voneinander unterscheiden kann, verweist er den Patienten zum CI-Techniker, der eine Tür weiter sitzt. Nachdem dieser die Einstellung der entsprechenden Elektroden neu justiert hat, kann der CI-Träger die Therapie unmittelbar mit der verbesserten Geräteeinstellung fortsetzen. "Der große Vorteil dieser Arbeitsweise ist, dass Hindernisse schnell aus dem Weg geräumt werden können und die Therapie zügig voranschreitet", unterstreicht Seidler. "Die Optimierung der Sprachprozessor-Einstellung, die technische Beratung und die Einprobung technischer Hilfsmittel läuft gleitend und ergänzt sich mit den Therapiemaßnahmen." CI-Träger werden in der Rehabilitation außerdem auf alltägliche Probleme eingestellt. Hierzu gehört etwa das Telefontraining oder das Einüben von Real-Situation im "Kommunikations-Café". Auch die akustische Reaktivierung bestehender Fremdsprachenkenntnisse kann angeboten werden.

Ein wichtiger Schritt hin zu dieser simultanen Behandlungsweise war der Zugewinn von Ahmed Bellagnech als leitenden CI-Techniker. Bellagnech ist studierter Physiker und Biomedizintechniker – ein Hörgerätakustiker ist für den Umgang mit Cochlear Implantaten nicht ausgebildet. "Herr Bellagnech ist im CI-Bereich deutschlandweit einer der erfahrensten Techniker und hat in den letzten sechs Jahren die meisten CI-Patienten in die optimale Höreinstellung gebracht", so Dr. Seidler. "Neben dem hervorragenden Techniker zählt nun auch dessen Equipment, wie etwa entsprechende Software oder Ersatzteile für alle CI-Fabrikate, zu unserem Repertoire."

Wie ein Cochlear Implantat funktioniert
Das CI nutzt zum Hören ausschließlich die Hörschnecke, in welcher die akustischen Informationen in Nervenimpulse umgewandelt werden. In die Hörschnecke wird eine Elektrodenspule eingeschoben, die zu einer Kette angeordnet ist. Die Elektrodenspule ist wiederum mit einer Magnetspule verbunden, die ca. fünf Zentimeter hinter das Ohr implantiert wird. Die Außensignale werden durch einen Sprachprozessor in Frequenzbänder aufgeteilt. Jedes dieser Frequenzbänder wird wiederum an eine Elektrode geschickt.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und drei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.400 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter

Über die MediClin Bosenberg Kliniken
Die MediClin Bosenberg Kliniken in St. Wendel gehören zur MediClin und umfassen eine Fachklinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, eine Fachklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Innere Medizin sowie eine Klinik für Hörgeschädigte und Cochlea-Implantate. Die MediClin Bosenberg Kliniken sind eine der größten Tinnitus-Spezialkliniken in Deutschland.

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Kommentar