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„Chronische Insomnie und Hyperarousal“ – Vortrag zum Thema Schlafstörungen

Pressemitteilung   •   Okt 30, 2015 10:41 CET

Donaueschingen, 30. Oktober 2015. „Chronische Insomnie und Hyperarousal – Relevanz für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie“ war das Thema eines Fachvortrags von Prof. Dieter Riemann am 21. Oktober im MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit in Donaueschingen. Riemann ist ordentlicher Universitätsprofessor und Abteilungsleiter für klinische Psychologie und Psychophysiologie in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Freiburg. Seine Schwerpunkte im Bereich Klinik und Forschung liegen bei den Themen Schlaf, Insomnie und Depressionen.

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Damit verbunden sind eine zum Teil erhebliche subjektive Einschränkung und eine umfassende volkswirtschaftliche Relevanz. Dazu gehört unter anderem die Insomnie (=Schlaflosigkeit), die definiert ist als „Klage über Ein- und/ oder Durchschlafstörung, frühmorgendliches Erwachen und damit verbundene Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit, wie etwa Müdigkeit, Konzentrations- und Leistungsschwierigkeiten oder Stimmungsschwankungen“. Von einer chronischen Insomnie spricht man dann, wenn die Beschwerden über drei Monate hinaus andauern. Dies betrifft etwa zehn Prozent der Bevölkerung in den Industrieländern.

Ursachen für eine Insomnie können sowohl körperliche als auch psychische Erkrankungen sein. Tatsächlich leiden Patienten mit psychiatrischen und psychosomatischen Erkrankungen sehr häufig unter Schlafstörungen. Darüber hinaus gibt es aber noch eine weitere Form der Insomnie – die sogenannte primäre Insomnie – die unabhängig von körperlichen oder psychischen Erkrankungen auftritt.

Das Schlafverhalten analysieren

Riemann stellte bei seinem Vortrag verschiedene Methoden zur Diagnose von Schlafstörungen vor. Abgesehen von der immer notwendigen Anamnese, also dem Ergebnis einer umfassenden Befragung des Patienten, können auch einfache Aufzeichnungen von Patienten, wie Schlaftagebücher, nützlich sein. Außerdem sind weiterführende Untersuchungen hilfreich. Mit einem Aktometer, einem relativ einfachen Messgerät, das wie eine Armbanduhr getragen wird, können Bewegungsaktivitäten aufgezeichnet werden. Daraus kann man Informationen über das Schlafverhalten gewinnen, was bereits eine gute Einschätzung beispielsweise über Schlafdauer, Verteilung des Schlafes über den Tag und schlafbezogene Bewegungsstörungen vermittelt. Neben medizinischen Messgeräten gibt es heute auch Apps, die es erlauben, solche Informationen über einfache Selbstmessungen zu erhalten. Inwiefern diese Informationen tatsächlich wissenschaftlich vertrauenswürdig sind, ist bislang allerdings noch umstritten.

In einem Schlaflabor können zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden. Eine sogenannte „Polysomnographie“ während der Schlafphase gibt Aufschluss über das Schlafverhalten und trägt maßgeblich zu einer korrekten diagnostischen Einordnung einer Schlafstörung bei.

Was führt zu einem schlechten Schlaf?

Im Anschluss ging Riemann auf die Ursachen einer primären Insomnie ein. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Form der Insomnie besonders durch eine innere Übererregung („Hyperarousal“) ausgelöst und aufrecht erhalten wird: Gerade während psychischen Belastungssituationen oder Krisen lässt uns nächtliches Grübeln nicht einschlafen. Es hat sich außerdem gezeigt, dass viele Menschen Schlafdauer und Schlafqualität falsch einschätzen und wichtige Regeln, die sogenannte „Schlafhygiene“ nicht beachten. Dazu gehört besonders, dass man nachts nicht auf die Uhr schauen soll, dass Zubettgeh- und Aufsteh-Zeiten regelmäßig sein sollten und dass man das Bett ausschließlich für den Schlaf oder für sexuelle Aktivitäten nutzt. Allgemein sollte man auf eine angenehme Schlafzimmeratmosphäre achten. Auch Licht im Schlafzimmer, späte oder schwere Mahlzeiten sowie Alkohol und Koffein sind am Abend zu vermeiden.

Wieder besser schlafen

Therapeutisch kommen neben der „Schlafhygiene“ verschiedene weitere Methoden zur Anwendung. Kurzzeitig sind gegebenenfalls auch Medikamente sinnvoll. In der Langzeittherapie sind allerdings spezielle kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken bedeutender: So können Achtsamkeitsmeditation oder auch Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation hilfreich sein.

Auch die sogenannte „Schlafrestriktion“ ist ein Thema in der Therapie: Viele Patienten mit Schlafstörungen neigen dazu, sich zu lange im Bett aufzuhalten, da sie befürchten, nicht genug Schlaf zu bekommen. Durch die „Schlafrestriktion“ werden die Zeiten im Bett insgesamt reduziert, was zunächst paradox klingen mag, aber Wachzeiten im Bett verringert.

Im Falle einer Depression spielen Schlafstörungen eine besonders große Rolle. Ab einem bestimmten Schweregrad der Depression ist die Schlafqualität deutlich eingeschränkt. Die Depression muss fachkundig therapeutisch behandelt werden, so dass sich im Rahmen dieser Behandlung auch die Schlafstörungen normalisieren.

Hilfreich kann der Einsatz von Lichttherapie in der Behandlung psychosomatischer und psychiatrischer Schlafstörungen sein. Das ist ein Schwerpunkt des MediClin Zentrums für psychische Gesundheit in Donaueschingen: In der Klinik ist ein spezielles sogenanntes circadianes Lichtsystem vorhanden, welches biologische Rhythmen unterstützt, die bei Menschen mit Schlafstörungen häufig durcheinander geraten sind.

Pressekontakt:

Christine Maier
MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit Donaueschingen

Alte Wolterdinger Str. 68
78166 Donaueschingen

Tel: 0771 / 851-230
christine.maier@mediclin.de

Über das Zentrum für Psychische Gesundheit Donaueschingen

Das Zentrum für Psychische Gesundheit Donaueschingen ist eine private Akutklinik für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Aufnahme gesetzlich versicherter Patienten ist nach Einzelfallbewilligung der jeweiligen Krankenkasse möglich. Die Fachklinik befindet sich in der Alten Wolterdinger Straße, am gleichen Standort wie die Rehabilitationsklinik MediClin Klinik am Vogelsang.
Info:www.psychische-gesundheit-donaueschingen.de

Über die MediClin

Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neurologie, Psychosomatik, Psychiatrie, Orthopädie sowie Geriatrie. Mit 34 Kliniken, sieben Pflegeheimen und acht Medizinischen Versorgungszentren ist die MediClin in elf Bundesländern präsent und verfügt über eine Gesamtkapazität von rund 8.000 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken der Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung sowie um Rehakliniken. Für die MediClin arbeiten rund 8.900 Mitarbeiter.
MediClin – ein Unternehmen der Asklepios-Gruppe.

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