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Dem Zittern ein Ende bereitet

Pressemitteilung   •   Jul 20, 2007 17:30 CEST

Reichshof-Eckenhagen, im Juli 2007. Zitternde Hände gehörten für Melanie Wulf* (62) bereits wie selbstverständlich zu ihrem Leben. Seit über 20 Jahren machte es ihr die tremordominante Variante der Parkinson-Erkrankung unmöglich, viele alltägliche Dinge zu verrichten, wie etwa Schuhe eigenhändig binden, Knöpfe schließen oder ein Brot gerade schneiden. Melanie Wulf galt dabei als "medikamentös austherapiert". Erst die Technik der so genannten "Tiefen Hirnstimulation" und die anschließende Feinabstimmung des operativ eingesetzten Hirnschrittmachers in der Rehabilitation wiesen einen Ausweg aus ihrer Parkinsonkarriere. Die Stimulationsenergie wurde dabei innerhalb von vier Wochen in ein- bis zweitägigen Abschnitten schrittweise erhöht und die Veränderungen in einer "Stimulationsvisite" täglich kontrolliert.

Positive psychische Auswirkungen wissenschaftlich belegt
Dabei erzielte sie nicht nur hinsichtlich der motorischen Symptome kontinuierlich Fortschritte, sondern legte zudem eine deutlich verbesserte Laune an den Tag. "Die positiven psychischen Auswirkungen einer Hirnschrittmachertherapie sind in unserer Klinik kein neues Phänomen. Bislang haben sämtliche Patienten von einer deutlich gehobenen Stimmung und größerem Optimismus berichtet", betont Dr. Jürgen Bonnert, Chefarzt Neurologie am MediClin Reha-Zentrum Reichshof. "Schließlich ist gerade bei Parkinson den Betroffenen die Behinderung ‚auf den Leib’ geschrieben."

Die positiven Auswirkungen auf die Psyche sind inzwischen auch wissenschaftlich belegt. So wies eine Studie der German Parkinson Group im vergangenen Jahr nach, dass die Tiefe Hirnstimulation bei fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung einer rein medikamentösen Therapie überlegen ist – und dies insbesondere hinsichtlich der erreichbaren Lebensqualität und des emotionalen Wohlgefühls. Zu ähnlichen Ergebnissen kam dieses Jahr eine in Paris geführte Studie. Diese bezifferte die Verbesserung der Lebensqualität auf 24 Prozent und das Nachlassen der motorischen Störungen auf 69 Prozent. "Unsere Patienten erleben es als eine erhebliche Erleichterung, wenn sie nach der Stimulation wieder deutlich beweglicher sind, an Selbstständigkeit gewinnen und weniger Medikamente einnehmen müssen. Die Lebensqualität ist dabei der entscheidende Aspekt", so Dr. Bonnert.

Unerwünschte psychische Symptome früh erkennen
Bei der Einstellung der Stimulationsenergie ist jedoch Vorsicht geboten. Die Vorteile können sich auch ins Gegenteil umkehren; es besteht die Gefahr von unerwünschten psychischen Symptomen. Im Fall von Melanie Wulf kam es etwa zu einer deutlichen Distanzminderung. "Unter Veränderung der Stimulationsparameter erzählte Frau Wulf während der Stimulationsvisite sehr persönliche Dinge aus ihrem Leben. Da ich bis dato erst zweimal Kontakt mit ihr gehabt hatte, war aus meiner Sicht noch keine Basis in der Beziehung hergestellt, um über Probleme in der Ehe oder das Verhältnis zu ihrer Tochter zu sprechen", erinnert sich Dr. Bonnert. "In der nächsten Therapiesitzung sagte sie mir dann, ihr sei aufgefallen, dass sie in der letzten Visite doch sehr persönliche Dinge mit mir besprochen habe. Das hätte sie im Nachhinein sehr irritiert, da dies normalerweise nicht ihre Wesenseigenschaft sei."

Mit der Höherstellung der Stimulationsparameter war es offensichtlich zu einer Wesensveränderung gekommen, die auch von der Patientin selbst bemerkt wurde. Derartige psychiatrische Nebenwirkungen gilt es in der Therapie natürlich zu vermeiden. Sie können entstehen, wenn die Stimulationsparameter schnell und sprunghaft erhöht werden. Bei Melanie Wulf wurde daraufhin die Stärke der Stimulation reduziert und das Tempo der Stimulationserhöhung gedrosselt. Bei ihrer Entlassung aus der Klinik war sie hinsichtlich der psychiatrischen Nebenwirkungen wieder symptomfrei.

Erhöhung der Stimulation sollte in einer Reha-Klinik erfolgen
Zu Beginn der Therapie wird die Stimulationsenergie in größeren Schritten erhöht, bis man in einen Bereich gelangt, der ein langsameres Vorgehen erfordert. Von hier aus tastet man sich in kleinen Schritten an den Zielbereich heran. "Die Steigerung der Stimulationsenergie muss täglich von einem Facharzt überwacht werden – gerade wegen der möglichen Nebenwirkungen", unterstreicht Dr. Bonnert. "Parkinsonpatienten sollten nach einem operativen Eingriff in der Einstellungsphase grundsätzlich in einer Reha-Klinik betreut werden. Bei einer ambulanten Einstellung werden etwa die psychiatrischen Nebenwirkungen häufig übersehen."

Melanie Wulf kommt seit der Einstellungsphase im MediClin Reha-Zentrum Reichshof ohne Medikamente aus; ihr Tremor wurde nahezu vollständig unterdrückt. Vor Beginn der Therapie musste sie alle vier Stunden mehrere Tabletten einnehmen – auch in der Nacht. Trotzdem konnte medikamentös nur eine mäßige Beweglichkeit erreicht werden. Heute ist sie in der Lage, alltägliche Anforderungen ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Lediglich in Stresssituationen, wenn sie sehr aufgeregt ist und unter psychischem Druck steht, meldet sich das Zittern für einige Sekunden zurück.

Infobox: "Tiefen Hirnstimulation"
Bei der "Tiefen Hirnstimulation" werden über kleine Bohrlöcher im Schädel elektrische Sonden ins Hirn implantiert. Über einen Schrittmacher werden regelmäßig schwache Stromstöße zur elektrischen Reizung ausgelöst, mit dem Ziel, bestimmte Hirnregionen funktionell zu beeinflussen. In der täglichen "Stimulationsvisite" in der Rehabilitation wird die Beweglichkeit der beiden Körperseiten überprüft. Bei einer bestehenden Restsymptomatik wird die Stimulationsenergie schrittweise erhöht. Nach dem nächsten Erhöhungsschritt muss einige Stunden abgewartet werden, um zu kontrollieren, wie der Patient hierauf reagiert. Die folgende Stimulationserhöhung wird abhängig gemacht von der Entwicklung der Körperseiten. So kann es sein, dass je nach Symptomverteilung zunächst die Dosis etwa auf der linken Seite angepasst wird und danach auf der rechten. Das Therapieziel ist erreicht, wenn der Patient keine Medikamente mehr benötigt und eine ausreichende Beweglichkeit über den ganzen Tag besteht. Ein Ende der Therapie ist auch dann angezeigt, wenn durch eine weitere Erhöhung verstärkt Nebenwirkungen provoziert würden.


Über das MediClin Reha-Zentrum Reichshof
Das MediClin Reha-Zentrum Reichshof im Oberbergischen Land ist eine Fachklinik für medizinische Rehabilitation von Patienten mit neurologischen und internistischen Erkrankungen. Die Einrichtung verfügt über 245 Betten und beschäftigt 254 Mitarbeiter.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und drei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.400 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

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