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Direkt richtig eingewiesen – seltener beim Arzt

Pressemitteilung   •   Jul 25, 2007 17:20 CEST

Bad Münder, im Juli 2007. Ein Modellprojekt der MediClin Deister Weser Kliniken und der AOK Niedersachsen unter wissenschaftlicher Begleitung der Universität Osnabrück zeigt die Effektivität einer direkten Einweisung psychosomatisch erkrankter Patienten in spezialisierte Fachkliniken. Häufig wird eine psychosomatische Erkrankung nicht als solche erkannt, weshalb nur die körperlichen Beschwerden behandelt werden. Stationär psychotherapeutische bzw. psychosomatische Behandlungen erzielen dagegen durch umfassende bio-psycho-soziale Erklärungsmodelle größere Therapieerfolge und vermeiden unnötige Kosten. „Im Verlauf des Projekts erfolgte fast durchgängig eine Verlagerung von einer rein somatischen Einweisungsdiagnose zur Diagnose psychischer Störungen und Verhaltensstörungen“, erklärt die Leiterin des Modellprojekts, Diplom-Psychologin Dr. Barbara Pütz. „Die direkte Zuweisung in eine psychosomatische Fachklinik ermöglicht den Patienten eine zielgerichtete Therapie, wirkt nachhaltig und senkt Kosten.“

Gängigerweise erfolgt die Inanspruchnahme stationärer Rehamaßnahmen in psychosomatischen Fachkliniken wegen drohender oder befürchteter Gefährdung der Erwerbsfähigkeit. Bis eine solche Maßnahme eingeleitet und bewilligt worden ist, hat oftmals schon eine lange Behandlung der körperlichen Krankheitsbeschwerden durch Fachärzte erfolglos stattgefunden. Häufig haben Patienten dann bereits ein chronisches Krankheitsverhalten entwickelt und lange Arbeitsunfähigkeitszeiten angesammelt.

Seltener arbeitsunfähig, weniger Praxiskontakte und kürzere Krankenhausaufenthalte
Durch die Direkteinweisung in die MediClin Deister Weser Kliniken konnte die Dauer der Krankschreibungen aufgrund von somatischen Beschwerden nach Abschluss des Modellprojekts deutlich verringert werden: bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems um 74%, bei Herz-Kreislauferkrankungen um 72% und bei Krankheiten des Verdauungssystems um 67%. Obwohl die Arbeitsunfähigkeitsdauer aufgrund von psychischen Problemen um 42% zunahm, bewirkte das Modellprojekt insgesamt eine deutliche Verbesserung der Patientensituation. So reduzierte sich die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle von 623 auf 451.

Auch die Zahl der Kontakte mit Ärzten aus dem somatischen Bereich ging nach Abschluss der Studie um 37% zurück. Besonders hohe Rückgänge gab es mit minus 61% im Bereich der inneren Medizin, und mit minus 44% bei den Praxiskontakten mit Allgemeinmedizinern. Zwar erfolgte – im Einklang mit der Beobachtung einer Diagnoseverlagerung vom somatischen in den psychotherapeutischen Bereich – zugleich ein deutlicher Zuwachs um 149% im Fachgebiet Psychotherapie, insgesamt nahmen die Ärztekontakte über alle Fachgruppen hinweg jedoch um 6% ab. Durch den Rückgang der Zahl der Arztbesuche konnten somit Einsparungen für den Versicherungsträger erzielt werden.

Positive Auswirkungen der Direkteinweisung zeigte auch der Vergleich von Krankenhausaufenthalten der Studienteilnehmer zwei Jahren vor Aufnahme in die MediClin Deister Weser Kliniken mit denen zwei Jahre nach ihrer Entlassung.
So sank die durchschnittliche Zahl der Aufenthaltstage im Krankenhaus aufgrund von Erkrankungen des Kreislaufsystems von 357 auf 53 Tage, die wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems von 557 auf 63. Dagegen stiegen die Krankenhausaufenthalte aufgrund von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen von 86 auf 114 Fälle. „Das Bestreben, dem Patienten zum richtigen Zeitpunkt die richtige Behandlung zukommen zu lassen, hilft nicht nur dem Patienten, sondern trägt auch zu einer Reduzierung der Ausgaben für den Kostenträger bei“, so Pütz. So konnten die Gesamtkrankenhauskosten der Patienten insgesamt um 5% gesenkt werden.

Besseres emotionales und körperliches Befinden
Deutliche Resultate zeigt die direkte Einweisung auch bei der emotionalen und körperlichen Befindlichkeit der Patienten. Dominierten zu Beginn des Projekts Erschöpfung, Depression und Angst im Vergleich zu positiven Gefühlen wie Entspannung, Aktivität und Freude, zeigte sich im Verlauf des Projekts eine starke Besserung des Befindens. Diese Werte sind auch zwei Jahre nach Ende der Behandlung fast durchgängig stabil. „Der weitaus größte Teil der Studienpatienten profitiert von der direkten Behandlung in einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik auch über die Behandlung hinaus“, so Pütz.

Über die Studie
Von April 2000 bis Dezember 2004 führten die MediClin Deister Weser Kliniken, Fachklinik für Verhaltensmedizin und Psychosomatik, und die AOK Niedersachsen unter wissenschaftlicher Begleitung der Universität Osnabrück eine Studie durch, die Effektivität und Effizienz einer zeitnahen stationären psychotherapeutischen bzw. psychosomatischen Behandlung überprüfte. An dem Modellprojekt nahmen 199 Patienten der AOK Niedersachsen teil. Neu an der Studie war die direkte Einweisung der Patienten in die MediClin Deister Weser Kliniken aufgrund einer nicht-rehabilitativen Maßnahme, also entsprechend einer akut-stationären Behandlung. Im Zentrum der Untersuchung standen unter anderem die Aspekte Arbeitsunfähigkeit, Krankenhausaufenthalte sowie das emotionale und körperliche Befinden der Patienten Zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung wurde eine erneute Befragung der Patienten durchgeführt.


Über die MediClinDeister Weser Kliniken
Die MediClin Deister Weser Kliniken in Bad Münder bestehen aus Fachkliniken für Verhaltensmedizin, Psychosomatik und Onkologie und gehören zur MediClin. Die Kliniken haben 190 Betten und beschäftigen 139 Mitarbeiter.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und drei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.400 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.
 

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