MediClin folgen

Problem „Dschungel-Modus“

Pressemitteilung   •   Mär 28, 2013 15:50 CET

Am 7. April weist die Weltgesundheitsorganisation WHO mit ihrem internationalen Gesundheitstag auf die Gefahren von Bluthochdruck hin. Ein wesentlicher Risikofaktor für Bluthochdruck ist chronischer Stress. Was in Gehirn und Körper bei Stress abläuft und was dies für die Stressbewältigung bedeutet, erläutern Experten der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg und der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie des MediClin Reha-Zentrums am Hahnberg Bad Wildungen.

Bad Wildungen, März 2013. Wann waren Sie zuletzt ´auf 180´? Diese Redewendung kommt nicht von ungefähr: Stress ist neben Faktoren wie Veranlagung, Übergewicht oder Rauchen eine wesentliche Ursache für Bluthochdruck. Der Begriff Stress bezieht sich dabei auf jede Art von Belastung, auf die wir mit unserem Körper sowie seelisch mit Anpassungsprozessen reagieren. Dr. med. Michael Unger, psychosomatischer Chefarzt der MediClin Bad Wildungen: „Im günstigen Fall gelingt die Anpassung oder Bewältigung und führt zu Erfolgserleben und persönlicher Reifung. Werden unsere Bewältigungsmöglichkeiten jedoch überfordert, können Funktionsstörungen von Körpersystemen oder unserer Psyche die Folge sein.“

Unter Stress schaltet das Limbische System im Gehirn, in dem Emotionen verarbeitet werden, in den ´Dschungel-Modus´: „Es werden Schutzmechanismen aktiviert, die uns psychisch und körperlich auf Flucht oder Kampf vorbereiten. Neben einer höheren Muskelspannung, verstärktem Schwitzen und beschleunigter Atmung schnellen Puls und eben der Blutdruck in die Höhe“, erläutert Reinhold Sievers, Leitender Oberarzt der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik Bad Wildungen. Dabei spielen Hormone wie Adrenalin und Dopamin eine wichtige Rolle. Das Fatale an diesem Mechanismus ist, dass unser Gehirn nicht zwischen einer akuten existentiellen Bedrohung und körperlichen und seelischen Belastungen unseres Zivilisationsalltags unterscheidet. Konkret: Ob wir wegen einer in wenigen Tagen abzugebenden Steuererklärung gestresst sind, ob uns die Kollegen zur Weißglut treiben, ob uns der Streit mit dem Ehepartner zermürbt oder ob wir uns im Dschungel Auge in Auge mit einem Tiger wiederfinden, macht neurobiologisch keinen Unterschied - das Programm, mit dem sich unser Körper für ´Kampf oder Flucht´ rüstet, ist dasselbe.

Problem Dauerstress

Wenn der Körper über längere Zeit im Alarmzustand ist, werden weitere Hormone wie Cortisol ausgeschüttet. Unger: „Hierdurch werden zunehmend weitreichende Regulationsmechanismen von Körperfunktionen verändert. So kann Dauerstress dazu beitragen, unseren Blutdruck dauerhaft aus der Balance zu bringen oder den Spannungsgrad unserer Muskulatur schmerzhaft zu erhöhen.“

Viele Stressauslöser laufen im Kopf ab

„Doch nicht nur das eigentliche Erleben, auch die Vorstellungskraft und innere Bilder können die körperlichen Stressreaktionen auslösen“, so Reinhold Sievers. Das Limbische System kann auf Vorstellungen und innere Bilder genauso reagieren wie auf reale Erlebnisse. Es ist möglich, dass frühere Erlebnisse so bildhaft wieder ins Bewusstsein gerufen und dabei von allen körperlichen Stressreaktionen begleitet werden, als würden sie gerade erneut geschehen. Selbst Gedanken können Stress auslösen und den Blutdruck nach oben treiben.

Wege zur Stressbewältigung

Um chronischen Stress und seine gesundheitsschädlichen Begleiterscheinungen zu reduzieren, sind zum einen Sport und Bewegung wichtig: Das verbessert das Körpergefühl und damit das seelische Wohlbefinden. Michael Unger: „Körperliches Erleben von ´Ich kann mich bewegen, Ziele ansteuern, mein Tempo und meine Kraft dosiert einsetzen´ setzt sich über aufsteigende Nervenbahnen zum Gehirn fort und stärkt das Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit.” Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training unterstützen die körperliche und psychische Ausgeglichenheit und damit eine Blutdrucknormalisierung.

Auch auf mentaler Ebene können wir uns schützen. Sievers: „Sehr hilfreich ist es, sich mit Ressourcen und Kompetenzen zu beschäftigen, die bereits in der Vergangenheit in Krisensituationen geholfen haben und diese auszubauen.” Gegen Stressreaktionen, die wie oben geschildert durch unsere Vorstellungskraft ausgelöst werden, kann es helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und die Gegenwart bewusst und wertfrei wahrzunehmen. Das trägt zur inneren Beruhigung bei. Gleichzeitig können wir uns unsere Vorstellungskraft auch zunutze machen. Denn auch im Positiven reagiert das Limbische System auf Vorstellungen wie auf tatsächliche Begebenheiten: Gedanken, die uns Sicherheit und Halt geben, wirken den körperlichen Stressreaktionen und damit einem erhöhten Blutdruck entgegen – dabei spielt es letztendlich keine Rolle, ob dies Erinnerungen an reale positive Erlebnisse sind oder ob wir unsere Phantasie nutzen.

Psychosomatische Behandlung mit umfassendem Konzept

In der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik sowie in der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie des MediClin Reha-Zentrums fließen diese Faktoren in ein Behandlungskonzept ein, das auf der Grundlage aktueller neurobiologischer Erkenntnisse entwickelt wurde. Die Patienten lernen, was die Ursachen ungünstiger Verhaltens- und Erlebensmuster und damit verbundener Körperreaktionen sind und wie diese behandelt werden können. Die Ärzte und Therapeuten leiten die Patienten dabei an, ihre Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Dazu gehört es, gegebenfalls Neubewertungen vorzunehmen und sich bereits bestehende Ressourcen, in der Vergangenheit gelungene Bewältigungswege und Kompetenzen bewusst zu machen und Kompetenzen und Ressourcen zu erweitern. Ergänzt wird die Behandlung durch sportliche Angebote und die Vermittlung von Entspannungsverfahren.

Dr. med. Michael Unger ist Chefarzt der Fachklinik für Psychosomatik und Psychothe-rapie am MediClin Reha-Zentrum am Hahnberg sowie der MediClin Klinik für Akutpsy-chosomatik am Hahnberg.

 

Reinhold Sievers ist Oberarzt der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie Leitender Oberarzt der Klinik für Akutpsychosomatik am MediClin Klinik für Akutpsychosomatik und Rehazentrum am Hahnberg.

 

Über das MediClin Reha-Zentrum am Hahnberg und die MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg

Zum MediClin Reha-Zentrum am Hahnberg gehören eine Fachklinik für Konservative Orthopädie mit einem Zentrum für Amputationsnachsorge sowie eine Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, an die die MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg angegliedert ist. In beiden psychosomatischen Kliniken wird das gesamte Spektrum der psychosomatischen Medizin behandelt. Hierzu gehören insbesondere Depressionen, Erschöpfungszustände, Angststörungen, Traumafolgestörungen und chronische Schmerzstörungen. Die Einrichtung verfügt über 307 Betten und beschäftigt 159 Mitarbeiter.

Über die MediClin

Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 34 Klinikbetrieben, sieben Pflegeeinrichtungen und elf Medizinischen Versorgungszentren ist die MediClin in elf Bundesländern präsent und verfügt über eine Gesamtkapazität von rund 8.100 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken der Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung sowie um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 8.500 Mitarbeiter.

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Kommentar