MediClin folgen

Tinnitus-Patienten meist auch hörgeschädigt

Pressemitteilung   •   Dez 07, 2006 17:20 CET

St. Wendel, im Dezember 2006. Eine in den Bosenberg Kliniken in den Jahren 2005 und 2006 durchgeführte Studie belegt erstmals die Bedeutung einer apparativen Versorgung von Hörgeschädigten für eine erfolgreiche Tinnitus-Therapie. Die Bosenberg-Studie konnte bei insgesamt 730 Rehabilitanden in 80 Prozent der Fälle mittelgradige Hochtonverluste von mindestens 40 Dezibel auf dem besser hörenden Ohr nachweisen. Dabei wurde seitens der Kostenträger als Rehabilitationsindikation zumeist Tinnitus und nicht die Hörschädigung angegeben. "Sehr häufig werden Patienten auf Tinnitus behandelt, ohne den Zusammenhang mit einer wahrscheinlichen Hörschädigung zu sehen. Gleicht man allerdings die Hörschädigung nicht aus, wird auch das Ergebnis der Tinnitus-Therapie nicht befriedigend sein", betont Dr. Harald Seidler, Chefarzt der Tinnitus-Spezialklinik in den Bosenberg Kliniken, einer Einrichtung der MediClin.

Funktioniert das Gehör nicht optimal, wird in akustisch schwierigen Situationen – etwa bei Störgeräuschen oder wenn viele Menschen durcheinander reden – das Hören deutlich anstrengender. Dieser Hörstress wird dann nicht nur zu einem bedeutenden Co-Faktor für Tinnitus, sondern kann darüber hinaus zu ernsthaften psychosomatischen Erkrankungen führen. "Hörgeschädigte Menschen, die in eine Hörstress-Situation geraten, können Gesprächen nicht mehr richtig folgen. Als Resultat dessen fühlen sie sich belastet und bei häufig auftretendem Hörstress erschöpft bzw. ausgebrannt – ohne den eigentlichen Grund dafür zu kennen", so Dr. Seidler. "Schuld ist dann nicht der vermeintlich zu große bzw. größer gewordene Arbeitsaufwand. Tatsächlich müssen die Menschen so viel Kraft beim Zuhören aufwenden, dass die vermittelten Informationen nicht mehr reflektiert und verarbeitet werden können."

Konsequenzen für die Therapie
Da über die Hälfte der hörgeschädigten Tinnitus-Patienten im Vorfeld der Rehabilitation nicht auf Hörgeräte angesprochen bzw. mit Hörgeräten versorgt wurden, steht das Angebot der Hörversorgung zu Beginn der Therapie in den Bosenberg Kliniken. Betroffene werden zunächst auf das Hördefizit aufmerksam gemacht und danach mit entsprechenden Hilfsmitteln versorgt, um den Hörstress abzubauen. "Erst wenn die Hörstörung beispielsweise durch ein offenes Hörsystem versorgt wurde, eröffnete sich ein erfolgreicher Zugang zu den verborgenen Ressourcen der Betroffenen. Nur so ließen sich erfolgreiche und nachhaltige Verarbeitungsstrategien im Umgang mit dem Tinnitus entwickeln", so Dr. Seidler. "Menschen, die entweder an Tinnitus leiden oder sich nicht erklären können, weshalb sie sich ausgebrannt fühlen und ihr Arbeitspensum nicht mehr erledigen können, sollten daher unbedingt auch einen Hörtest machen und auf Zeichen einer Hörminderung achten."


Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und einer der großen Anbieter in den Bereichen Neuro- und Psychowissenschaften sowie Orthopädie. Mit 30 Klinikbetrieben, acht Pflegeeinrichtungen und zwei Medizinischen Versorgungszentren in elf Bundesländern verfügt die MediClin über eine Gesamtkapazität von rund 7.700 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken – dies sind Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, der Schwerpunktversorgung und Fachkliniken – und um Fachkliniken für die medizinische Rehabilitation. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

Über die Bosenberg Kliniken
Die Bosenberg Kliniken in St. Wendel gehören zur MediClin und umfassen eine Fachklinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie, eine Fachklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Innere Medizin sowie eine Klinik für Hörgeschädigte und Cochlea-Implantate. Die Bosenberg Kliniken sind eine der größten Tinnitus-Spezialkliniken in Deutschland.
 

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