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Wann spricht man von Internetsucht?

Pressemitteilung   •   Okt 05, 2016 16:29 CEST

V.l.: Michael Jente (Chefarzt Psychosomatik), Dr. Kai W. Müller (Uni Mainz), Dr. Klaus Wölfling (Uni Mainz) und Servet Dag (Kaufmännischer Direktor). Foto: Hans Peter Osterhold

Experten informierten in der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg

Bad Wildungen, Oktober 2016. Ab 2017 gilt die sogenannte Internetsucht voraussichtlich als anerkannte Krankheit. Vor diesem Hintergrund informierte ein Vortrag im September in der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg darüber, wie eine exzessive und unkontrollierte Nutzung des Internets medizinisch eingeordnet werden kann und welche Kriterien es für eine Diagnose gibt. Referenten waren Dr. Kai W. Müller und Dr. Klaus Wölfling von der Ambulanz für Spielsucht an der Universitätsmedizin Mainz. Dr. Müller und Dr. Wölfling sind Mitautoren einer im Auftrag des Deutschen Bundestags verfassten Studie „Neue elektronische Medien und Suchtverhalten".

Bei einer Internetsucht treten Verhaltensweisen wie bei anderen Abhängigkeitserkrankungen auf: Der Betroffene kann nicht mehr selbst steuern, wieviel Zeit er am Computer, Smartphone oder Tablet verbringt. Oft geht es dabei um eine exzessive Nutzung von Onlinespielen, von sozialen Netzwerken wie Facebook und Seiten mit pornografischen Inhalten.

Dr. Wölfling und Dr. Müller beschrieben Diagnose-Kriterien für eine „Online-Spiel-Störung" gemäß des Leitfadens für psychische Störungen. Demnach sprechen Ärzte von einer Sucht, wenn über die Dauer von einem Jahr oder länger mindestens fünf der folgenden Punkte zutreffen:

  • Das Online-Spiel ist die dominierende Aktivität
  • Es treten Entzugssymptome wie Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit auf, wenn der Betroffene nicht online sein kann
  • Die Nutzungszeiten werden länger
  • Der Betroffene kann die Nutzung nicht mehr kontrollieren
  • Der Konsum kann trotz negativer Konsequenzen nicht reduziert werden
  • Es kommt zu Interessenverlust, Hobbies werden vernachlässigt
  • Das Ausmaß der Nutzung wird heruntergespielt oder verheimlicht
  • Emotionen werden durch die Computerspielnutzung reguliert
  • Soziale Beziehungen werden vernachlässigt

Als ein zentrales Diagnose-Kriterium beschrieben die Referenten die vollkommene Eingenommenheit vom Internet und das sogenannte Craving: Für den Abhängigen ist das Internet das lebensbestimmende Moment und er verspürt ein unwiderstehliches Verlangen nach der Nutzung. Die Referenten zitierten dazu Betroffene: „Ich muss immerzu an das Spiel denken“, „Ich kann nachts oft nicht schlafen, weil ich dauernd an mein Profil denken muss“. Auch ein häufiges „absolutes Eintauchen" in die digitale Welt sei ein Warnsignal.Häufig sind mit einer suchtartigen Internetnutzung auch körperliche Probleme verbunden: Fehlhaltungen, Verwahrlosung, Übergewicht, Schlafstörungen und Kopfschmerzen.

Jugendliche häufiger als Erwachsene betroffenen

Während in der Allgemeinbevölkerung zwischen ein und zwei Prozent betroffenen sind, kann man bei ca. zwei bis vier Prozent der Jugendlichen von einer Internetsucht sprechen, erläuterten die Suchtforscher.

„In Verbindung mit den teils erheblichen Schwierigkeiten, die heranwachsende Jugendliche mit der Ausbildung einer eigenen Identität haben, sehen wir eine Hauptursache der süchtigen Mediennutzung im Wunsch, dieser Realität zu entfliehen", so Michael Jente, Chefarzt der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie und der Klinik für Akutpsychosomatik bei MediClin in Bad Wildungen. Dort werden auch Jugendliche behandelt, die unter Internet- und Comuputerspielsucht leiden. „Besonders wichtig ist eine frühe therapeutische Intervention. Denn die Jugendlichen finden sich erheblich schneller und für sie häufig zufriedenstellender in der ´virtuellen Realität´ zurecht als im realen Miteinander." Bei der Behandlung kommt es, wie bei anderen Suchterkrankungen, darauf an, die zugrundeliegenden Ursachen zu finden und dem Betroffenen Auswege zu eröffnen. Die Störung wird in der Regel psychotherapeutisch behandelt. Der Betroffene wird etwa verhaltenstherapeutisch dabei unterstützt, seine Abhängigkeit und problematische Verhaltensmuster zu erkennen und diese zu verändern. Im Rahmen einer Therapie lernt der Patient dann beispielsweise, bestimmte Internetseiten zu meiden und den Internetkonsum schrittweise zu reduzieren. Außerdem arbeiten die Therapeuten mit ihm darauf hin, Alternativen zum Internet zu finden, etwa Kontakte zu Freunden und vernachlässigte Hobbys wieder zu pflegen.

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Weitere Informationen:

Michael Jente
Chefarzt der MediClin Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie der Klinik für Akutpsychosomatik
Tel. 05621 / 796-212
Fax 05621 / 796-595
E-Mail: michael.jente@mediclin.de
www.klinik-am-hahnberg.de

Pressekontakt

Servet Dag
Kaufmännischer Direktor
MediClin Klinik für Akutpsychosomatik und Reha-Zentrum am Hahnberg
Tel. 05621/ 796-233
Fax 05621/ 796-296
E-Mail: servet.dag@mediclin.de

Über das MediClin Reha-Zentrum am Hahnberg und die MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg
Zum MediClin Reha-Zentrum am Hahnberg gehören eine Fachklinik für Konservative Orthopädie mit einem Zentrum für Amputationsnachsorge und eine Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie. In der MediClin Klinik für Akutpsychosomatik am Hahnberg werden schwerpunktmäßig Angst- und Panikstörungen, depressive Störungen, Anpassungsstörungen, Traumafolgestörungen somatoforme Störungen und Persönlichkeitsstörungen sowie Mediensucht behandelt. Die Einrichtung, die am Rande des größten Kurparks von Europa liegt, verfügt über 306 Betten. Beschäftigt sind dort rund 210 Mitarbeiter.

Über die MediClin
Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber und ein großer Anbieter in den Bereichen Neurologie, Psychosomatik, Psychiatrie, Orthopädie sowie Geriatrie. Mit 34 Kliniken, sieben Pflegeheimen und acht Medizinischen Versorgungszentren ist die MediClin in elf Bundesländern präsent und verfügt über eine Gesamtkapazität von rund 8.000 Betten. Bei den Kliniken handelt es sich um Akutkliniken der Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung sowie um Rehakliniken. Für die MediClin arbeiten rund 9.000 Mitarbeiter.
MediClin – ein Unternehmen der Asklepios-Gruppe.

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